Archiv der Kategorie ‘PANIK JETZT!‘

Déjà-vu am Griebnitzsü

Montag, den 19. Juli 2010

Und wieder (m)eine höfliche Anfrage an die S-Bahn Berlin GmbH:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Raul Krauthausen. Ich arbeite als Programm-Manager beim rbb und stelle mir die Frage, wann die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee wieder ordentlich und zuverlässig funktionieren.

Als Rollstuhlfahrer beobachte ich seit sehr langer Zeit, dass die Aufzüge am S-Bahnhof Griebnitzsee immer mal wieder (2-5 Mal im Monat) defekt sind. Das ist, wie sie sich sicher denken können, mehr als ärgerlich:

1. Weil Ihre Aufzugsstatus-Anzeige, nach der man sich orientieren könnte, im Internet nicht immer aktuell ist.

2. Weil ich der einzige zu sein scheine, der diese defekten Aufzüge bei Ihnen meldet. So auch heute. Ich kam um 9:30 am S-Bahnhof Griebnitzsee an, meldet ihn als “defekt” und sah ihn kurz darauf auf Ihrer Internetseite als Störung. Soweit so gut. Als ich dann um 17 Uhr wieder auf die Website schaute, um meinen Rückweg zu planen, stand er nicht mehr auf Ihrer Seite. Ich ging also davon aus, dass er funktioniert. Fehlanzeige. Am Aufzug angekommen, hing an der Aufzugstür ein Schild mit der Aufschrift “Defekt” und kein Handwerker war weit und breit zu sehen. Als ich in Ihrer Zentrale anrief, war die Störung nicht mehr bekannt und musste neu aufgenommen werden. Wie konnte das passieren? Offensichtlich war es ja die gleiche, von mir am morgen gemeldete Störung. Nur dass irgendjemand ihn als repariert bei Ihnen aus der Störungsliste rausnahm, ohne dass er repariert worden ist.

3. Weil meine Meldungen scheinbar nicht immer bei Ihnen ankommen (egal ob über die Notrufsäule, wo nicht immer jemand rangeht oder über Ihre Kundenhotline) und am nächsten Tag die Störungsmeldung immer noch nicht im Internet steht. Bis jetzt steht die Störung immernoch nicht auf der Website. Obwohl ich vier Mal bei Ihrer Hotline und den
Infosäulen die Störung meldete.

4. Weil es für Rollsuthlfahrer überhaupt keine weitere Möglichkeit gibt, sich über einen defekten Aufzug vorab zu informieren. Die Hotline guckt ja auch nur in’s Internet.

5. Weil es für einen Rollstuhlfahrer am S-Bahnhof Griebnitzsee überhaupt keine Alternative Möglichkeit gibt, als “zu Fuß” zum S-Bahnhof Babelsberg zu fahren, um nach Berlin zu kommen. Was soll ich denn tun, wenn mein Akku mal nicht für den großen Umweg ausreicht? Würden Sie in solchen Fällen eine Taxirechnung zahlen?

Sicher spielt das Alter der Aufzüge eine wichtige Rolle. Und das Wetter / Randalierer tun ihr Übriges. Aber ist es zu viel verlangt, wenigstens im Internet eine zuverlässige Anzeige zu bekommen?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch tun kann, als ständig Aufzüge zu melden, bzw. wie ich künftig stressfrei zur Arbeit kommen soll.

Daher wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir bitte mitteilen könnten, was Sie unternehmen werden, um die Servicequalität auch im Umgang mit behinderten Reisenden in Zukunft sicherzustellen. Auch journalistisch eine sehr interessante Frage.

Ich hätte 2-3 einfache Verbesserungsvorschläge die ich gerne mit Ihnen teile, wenn Sie interesse haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Raul Krauthausen

Ist das Gleichberechtigung?

Montag, den 14. Juni 2010

Der Tatort:

Heute, gegen 19 Uhr, haben mich in Berlin-Wedding zwei Jugendliche (zwischen 9 und 12 Jahre alt) überfallen und dabei mein iPhone geklaut, während ich damit telefonierte. Sie sagten nichts, schlichen sich von hinten an, rissen es mir aus der Hand und rannten weg. Ich konnte nichts machen außer “Hey!” hinterher rufen.
Ich war allein. Kein Mensch weit und breit. Und das am hellichten Tage. Passanten, die auf einer Parkbank saßen haben auch keine Jugendlichen vorbeirennen sehen. Oder sie wollten es nicht. Sie sagten zu mir nur “Nix Deutsche!” (Was auch immer das heißen mag) und gaben mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie damit nichts zu tun haben wollen. Niemand hatte etwas gesehen. Niemand.

Meine Gedanken sind noch ganz wirr. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich nicht-behindert gewesen wäre. Wahrscheinlich wäre ich hinterher gerannt. Aber mein eRolli schafft ja nur 6 Km/h ;-) .
Im Grunde bin ich froh, dass mir nicht mehr passiert ist. Sie hätten mir auch locker den Arm brechen oder mich zusammenschlagen können. Insofern hatte ich Glück im Unglück. So langsam kommt auch wieder meine sarkastische Seite hoch und fragt sich, ob es nicht auch irgendwie eine Form der Gleichberechtigung ist, wenn sogar vor Behinderten nicht Halt gemacht wird.
Auf der anderen Seite weiß ich gerade nicht, ob ich die Sache jetzt einfach so wegstecken kann. Fakt ist, sowas passiert. Die Gefahr lauert überall. Nicht nur im Wedding.
Nur bei mir glaube ich ist das Risiko, dass aus einem einfachen Diebstahl auch schnell ein Knochenbruch werden kann einfach größer. Wie schütze ich mich angemessen, ohne gleich paranoid zu werden? Brauche ich für solche Fälle ein “Nothandy”?
Soll ich mich jetzt immer an Bahnhöfen abholen lassen? Meine Assistenten sicherheitshalber überall hin mitnehmen?
Ich hoffe, ich traue mich morgen wieder unbekümmert wie immer auf die Straße.

Danke an all’ meine Twitter-Follower, die mir gerade beistehen und sogar eine Spendenaktion ins Leben gerufen haben, damit ich mir ein neues Smartphone besorgen kann.


P.S.: Danke auch an Cris für dieses tolle Video zum Thema “Gleichberechtigung”:

U-Bahnfahrerin verweigert Rollstuhlfahrer Mitnahme mit “halt die Fresse!”

Mittwoch, den 22. Juli 2009

Heute hatte ich Stress mit der BVG. Hier meine Beschwerde-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich mich beschweren:

Heute (Mittwoch, 22. Juli 2009) um ca. 00:20 weigerte sich am U-Bahnhof Mehringdamm eine U-Bahnfahrerin mich mitzunehmen. “Ich würde mit meinem Rollstuhl für eine Verspätung ihres Zuges sorgen, wenn sie die Rampe rausholen müsste.”, so ihre Argumentation.

Auf meinen höflichen Einwand, dass die U7 Richtung Spandau offensichtlich noch auf die verspätete U6 warten würde, und es genug Zeit gäbe, um eine Rampe anzulegen, entgegnete sie mir mit “halt die Fresse!” (krass).

Erst als ich drohte, dass ich mir die Wagennummer (2996) notieren werde und es in Erwägung ziehe die Weiterfahrt des Zuges durch ein ‘In die Tür stellen’ zu verhindern, bis sie die Rampe holt, gab sie nach. Sie fluchte irgendwas mit “Ich hole die Polizei” (wogegen ich keinen Einwand hatte), “kleiner Mann” (das ich noch als objektive Beschreibung durchgehen lasse) und “nur weil Sie im Rollstuhl sitzen…” (wirkt schon irgendwie beleidigend auf mich) und holte murrend endlich die Rampe. Mehrere Zeugen können das bestätigen.

Das Ende vom Lied: Die U6 fuhr ein, Leute stiegen um, ich war drin und die Dame konnte losfahren. Die Verspätung lag also nicht an mir, sondern an der U6.

Ich kann es ja verstehen, wenn U-Bahnfahren um diese Uhrzeit kein angenehmer Beruf ist.
Ich kann auch verstehen, dass eine Rampe mehr Zeit benötigt als ein nicht behinderter Fahrgast beim Einsteigen.
Ich würde auch nicht nach einem “zurück bleiben bitte!” um eine Rampe bitten.

Aber:
Betrachten Sie Rollstuhlfahrer, die eine Rampe benötigen, als “Verspätung”-Verursacher?
Finden Sie es in Ordnung, wenn U-Bahnfahrer(innen) Fahrgäste mit “halt die Fresse!” abweist und dikriminierend beleidigt?

Was sagen Sie dazu?
Mit freundlichen Grüßen,
Raul Krauthausen

“Fluch der Pfunde”, ein weiterer Blockbuster auf Pro7

Dienstag, den 9. Juni 2009

Nach diesem, diesem und diesem SWITCH-Pro7-Blockbuster, nun dieser hier:

Du bist Terrorist.

Freitag, den 22. Mai 2009

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Du bist Terrorist! Eine Kampagne gegen Terroristen.
Gemeinsam für ein sicheres Deutschland. Die Kampagne „Du bist Deutschland“ war 2005 der Beginn einer positiven Stimmungswelle im ganzen Land. Diese gebündelte Energie hat sich 2009 umgekehrt, denn nun bist du potenzieller Terrorist und wirst überwacht.

www.DubistTerrorist.de

(via blog.nodge.de)

Die Parteien und ihr (schlechter) Wahlkampf im Netz

Montag, den 20. April 2009

ZAPP ist eine großartige Sendung. Habe neulich einen Beitrag über Parteien und deren peinliches Engagement im Netz gesehen.

Aber seht selbst:
NDR ZAPP vom 15.04.2009 – Parteienfernsehen auf “Youtube”